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AMD Ryzen 5 PRO 4650G (Renoir) mit 65, 45 und 35 Watt cTDP getestet

Geschrieben am18.08.2020 von Stefan RSS Feed
Neben den normalen AMD Renoir Desktop-Prozessoren wie z.B. dem AMD Ryzen 5 PRO 4650G bietet AMD mit den GE-Varianten auch Renoir CPUs an, die auf eine Leistungsaufnahme von 35 Watt limitiert sind. Diese eignen sich durch ihre geringere Energieaufnahme nicht nur für Systeme mit reduzierten Kühlmöglichkeiten, sondern bieten auch ein etwas besseres Leistung pro Watt Verhältnis.

Da es sich allerdings um sonst identische Prozessoren handelt, kommt die bessere Effizienz der GE-Varianten allein aus der Reduzierung der Taktfrequenz. Werden zwei ansonsten identische Prozessoren mit der gleichen Taktfrequenz betrieben, benötigen beide Prozessoren die gleiche Menge an Energie. Man kauft sich mit einer GE-Variante also keinen effizienteren Prozessor, sondern einen Prozessor, bei dem die TDP und damit auch die Taktfrequenz ab Werk reduziert ist.

AMD Ryzen 5 PRO 4650G (Renoir) mit 65, 45 und 35 Watt cTDP getestet
Auch von Intel gibt es die so genannten T-Prozessoren, die bei etwas niedrigeren Taktfrequenzen eine deutlich geringere TDP besitzen. Wir haben auf Elefacts bereits den Intel Pentium G 5400 mit dem Intel Pentium G 5400T verglichen und festestellt, dass der Intel Pentium bei niedrigeren Taktfrequenzen nochmal etwas effizienter arbeitet. Das gleiche Ergebnis haben wir also auch für AMDs neue Renoir APUs erwartet.



AMD Renoir APUs für den Desktop (Sockel AM4)


Eigentlich bietet AMD seine Renoir Desktop-APUs gar nicht einzeln an, sondern vertreibt diese nur über OEMs, also große Hersteller wie z.B. Dell. Allerdings sind die Prozessoren bei momentan noch schlechter Verfügbarkeit auch für normale Endkunden zu erwerben. Auch wir haben unseren AMD Ryzen 5 PRO 4650G über einen normalen Händler im Einzelhandel erworben.

Die AMD Renoir Prozessoren sind dabei in 3 Ausführungen zu 4, 6 und 8 Kernen verfügbar. Zusätzlich sind diese auch als PRO-Versionen für den gewerblichen Einsatz erhältlich. Ähnlich der vPRO-Technik von Intel verfügen die PRO-Renoir Varianten über einige zusätzliche Features, z.B. eine Fernwartungsmöglichkeit. Für den privaten Einsatz bieten diese PRO-Features meist keinen großen Mehrwert. Allerdings sind aktuell die PRO-Varianten besser erhältlich, weshalb auch wir mit einer PRO-Variante getestet haben. Von den technischen Daten sind die Prozessoren mit den Nicht-Pro Versionen identisch.

ModellKerne, Threads, TaktfrequenzTDPZielmarkt
AMD Ryzen 7 PRO 4750G8c 16T @ 3,6 GHz (4,4 GHz Turbo)65 WattEnterprise
AMD Ryzen 7 PRO 4750GE8c 16T @ 3,1 GHz (4,3 GHz Turbo)35 WattEnterprise
AMD Ryzen 7 4700G8c 16T @ 3,6 GHz (4,4 GHz Turbo)65 WattConsumer (OEM)
AMD Ryzen 7 4700GE8c 16T @ 3,1 GHz (4,3 GHz Turbo)35 WattConsumer (OEM)
AMD Ryzen 5 PRO 4650G6c 12T @ 3,7 GHz (4,2 GHz Turbo)65 WattEnterprise
AMD Ryzen 5 PRO 4650GE6c 12T @ 3,3 GHz (4,2 GHz Turbo)35 WattEnterprise
AMD Ryzen 5 4600G6c 12T @ 3,7 GHz (4,2 GHz Turbo)65 WattConsumer (OEM)
AMD Ryzen 5 4600GE6c 12T @ 3,3 GHz (4,2 GHz Turbo)35 WattConsumer (OEM)
AMD Ryzen 3 PRO 4350G4c 8T @ 3,8 GHz (4,0 GHz Turbo)65 WattEnterprise
AMD Ryzen 3 PRO 4350GE4c 8T @ 3,5 GHz (4,0 GHz Turbo)35 WattEnterprise
AMD Ryzen 3 4300G4c 8T @ 3,8 GHz (4,0 GHz Turbo)65 WattConsumer (OEM)
AMD Ryzen 3 4300GE4c 8T @ 3,5 GHz (4,0 GHz Turbo)35 WattConsumer (OEM)



Test auf dem ASRock DeskMini A 300 mit Bios P3.60R


Wir haben den AMD Ryzen 5 PRO 4650 G bereits vor einigen Tagen auf dem ASRock DeskMini A 300 getestet. Damals stand uns aber nur das Bios P3.60N zur Verfügung, welches eine Einstellung der TDP nicht erlaubt hatte. Der A300-Chipsatz sitzt dabei quasi im Prozessor, denn das Mainboard besitzt keinen eigenen Chipsatz, sondern schleift die PCIe-Leitungen des Prozessors nur an die Ports bzw. Geräte durch. AMD erlaubt die manuelle Konfiguration des CPU-Multiplikators nicht auf Systemen, die diesen Chipsatz nutzen.

Mit dem neuen Bios P3.60R ist es nun aber möglich, die TDP des Prozessors zu verringern. Eigentlich unterstützt AMD bei den Renoir Prozessoren neben der normalen TDP von 65 Watt nur eine verringerte cTDP von 45 Watt. ASRock bietet auf dem DeskMini A300 allerdings die Möglichkeit, die cTDP auf Wunsch auch auf nochmals geringere 35 Watt festzulegen.



Unser DeskMini A300 ist mit einem Noctua NH-L9a-AM4 Lüfter ausgestattet, das Lüfterprofil haben wir auf "Standard" belassen. Beim Arbeitsspeicher nutzen wir ein Kingston HX432S20IB2K2/16 16 GB DDR4-3200 CL20 Kit aus 2 SO-DIMM Modulen, welches mit 1,2 V betrieben wird.

AMD Ryzen 5 PRO 4650G (Renoir) mit 65, 45 und 35 Watt cTDP getestet



CPU-Leistung in Cinebench R20


Während die Einkern-Leistung nicht von der TDP beeinflusst wird (hier benötigt der Prozessor ca. 18 Watt und wird daher nicht von einer cTDP von 35 Watt begrenzt), schlägt sich die festgelegte TDP natürlich sofort auf die Mehrkern-Leistung des AMD Ryzen 5 PRO 4650G nieder. Und auch die maximal gemessenen Temperaturen verringern sich zusammen mit der maximalen TDP leicht.





GPU-Leistung in 3DMARK


In der Grafikleistung gibt es in allen drei getesteten Benchmark-Szenen (Time Spy, Fire Strike sowie Sky Diver) keinen Unterschied zwischen 65, 45 und 35 Watt TDP. Die TDP hat auf die Grafikleistung der APU also keinen Einfluss. Das kann anders aussehen, wenn sowohl der CPU-Part als auch der GPU-Part maximal ausgelastet werden, da dann das engere TDP-Budget limitierend wirkt. In der Spiele-Praxis wird dies aber kaum der Fall sein.





Leistung pro Watt


Besonders interessiert hat uns, ob sich unsere Erwartung bestätigt, dass auch die AMD Renoir Prozessoren bei geringeren Taktfrequenzen deutlich effizienter arbeiten. Die Betrachtung der Cinebench R20 Mehrkern Tests bestätigt unsere Vermutung.

Wird der AMD Ryzen 5 PRO 4650G per cTDP auf 35 Watt limitiert, sinkt die Energieaufnahme des Systems um 37 Prozent, während sich die Leistung nur um 10 Prozent verringert. Der Sweet-Spot scheint aber bei einer cTDP von 45 Watt zu liegen. Mit 21 Prozent weniger Energieverbrauch erreicht der Prozessor ein fast identisches Ergebnis in Cinebench R20 und liegt am Ende in der Punktzahl von Cinebench R20 nur um 3 Prozent hinter dem Testergebnis mit einer TDP von 65 Watt.

TDP / cTDPEnergieverbrauch SystemCB20 MC PunkteCB20 Punkte pro Watt
65 W87 W3.473 cb39,9 cb / Watt
45 W69 W (-21 %)3.380 cb (-3 %)49,0 cb / Watt (+23 %)
35 W55 W (-37 %)3.114 cb (-10 %)56,6 cb / Watt (+42 %)


AMD Ryzen 5 PRO 4650G (Renoir) mit 65, 45 und 35 Watt cTDP getestet



Energieverbrauch in der Praxis


Lohnt sich also die Reduzierung der TDP in der Praxis ? Das kommt auf den Einsatzzweck an, denn am Ende wird der Prozessor durch die TDP-Reduzierung natürlich auch etwas langsamer.

Die maximale Energieersparnis hat man zudem nur unter Volllast des Prozessors. Das sich das System unter Volllast befindet, wird bei den meisten Benutzern nur sehr selten der Fall sein. Im Windows 10 Leerlauf benötigt das System z.B. immer 11,6 Watt, ganz gleich ob der Prozessor mit 65, 45 oder 35 Watt konfiguriert ist. Auch bei der Last auf nur einem Kern konnten wir absolut keinen Unterschied bei der Energieaufnahme messen.

AMD Ryzen 5 PRO 4650G (Renoir) mit 65, 45 und 35 Watt cTDP getestet

Wird unser AMD Ryzen 5 PRO 4650G mit reduzierter TDP betrieben, erhöht sich allerdings die Leistung pro Watt deutlich. Es kann sich also lohnen die TDP des Prozessors zu reduzieren. Am Ende kommt dies aber auf die eigene Preferenz an. Netter Nebeneffekt: bei geringer TDP lässt sich das System deutlich leichter kühlen und bleibt so ggf. leiser.

Der Kauf einer speziellen GE-Variante lohnt sich hingegen nur wenn der Preis deutlich geringer ist (was z.B. bei den Intel Prozessoren und ihren T-Varianten meist nicht der Fall ist). Zwar kann man bei den GE-Varianten höchst wahrscheinlich die Taktfrequenz und damit auch die TDP manuell anheben, dies erfordert aber einen entsprechenden Chipsatz. Eventuell handelt es sich bei den GE-Varianten auch um Prozessoren, die den maximalen Takt der normalen Variante nicht problemlos schaffen.

Wir würden daher von den ab Werk in der TDP limitierten GE-Varianten (wie auch von den Intel T-Varianten) abraten, denn bei Bedarf lässt sich per TDP-Reduzierung jederzeit die GE-Variante des Prozessors selbst nachbauen. Mit dem normalen Prozessoren ist man also höchst wahrscheinlich flexibler.

Wer sich für die neuen AMD Renoir Prozessoren interessiert, dem empfehlen wir, wie oben bereits erwähnt, unseren Test des ASRock DeskMini A 300 mit dem AMD Ryzen 5 PRO 4650G. Wer sich für einen anderen AMD Renoir Desktop-Prozessor interessiert: Benchmarkwerte für alle AMD Renoir Prozessoren findet ihr in unserem CPU-Vergleich.



VG-Wort

Kommentare (7)

Kommentar
Matrix
Geschrieben am07.09.2020
Wow das ist ein super test, der einfach perfekt ist, für die jenigen die einen sparsamen Prozessor suchen.
Ich bin ganze zeit am suchen nach der GE Version wegen der 35TDP, ich selbst wusste gar nicht das man dies mit cTDP selbst einstellen kann, ebenso dachte ich das der 35W TDP chip hochwertiger wäre.

Jetzt kann ich mir beruhigt die 65W TDP Variante kaufen und auf 35W-45W reduzieren, vielen dank !
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Stefan (Team)
Geschrieben am25.08.2020
Danke für die Rückmeldung. Die TDP-Einstellung hat Gigabyte aber im Bios auch wirklich gut versteckt ;)
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Alohras
Geschrieben am25.08.2020
Nevermind. Nun habe ich gerade nochmal gesucht und die von dir verwendete Einstellung doch noch gefunden.

Es ist unter Settings - AMD CBS - NBIO Common Options - SMU Common Options - System Configuration AM4 - Auto // 35 W - System Config 1 // 45 W [...] 2 // 65 W [...] 3

Das sollte dann bei allen Gigabyte Aorus Boards dort sein. Nochmal vielen Dank für den Artikel und das legen der richtigen Spur für mich.
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Stefan (Team)
Geschrieben am25.08.2020
Das kann sein das Gigabyte diese Einstellung nicht anbietet. Nur weil der Prozessor die Funktion unterstützt, muss es ja das Mainboard nicht immer implementiert haben.
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Alohras
Geschrieben am25.08.2020
Sehr schöner Test!
Ich habe selber einen 4650G auf einem Gigabyte B550I AORUS PRO AX laufen.
Beim besten Willen finde ich dort keine TDP Einstellung. Weder für die PPT noch für cTDP.
Wäre für Hinweise, auch anderer Leser die bereits einen Renoir betreiben, sehr dankbar!
Habe aktuell fast den Verdacht, das es für die Pro-Modelle biosseitig einfach nicht freigegeben ist.
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Stefan (Team)
Geschrieben am19.08.2020
Gerade in der 35 Watt Konfiguration lässt sich ein Unterschied zum 65 Watt Betrieb feststellen. Aber auch als 65 Watt Prozessor wird von dem Noctua NH-L9a-AM4 einwandfrei gekühlt, ohne das das System allzu laut wird.
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Ansas
Geschrieben am18.08.2020
...und das Lüftergeräusch ?
Interessant wäre ob dann auch bei Last deutlich weniger Abwärme erzeugt wird und der Lärmpegel auch bei Volllast eträglich bleibt.
Danke !

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