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Image einer Partition oder Festplatte mit CloneZilla erstellen und zurückspielen

15.05.2018 von Stefan
In dieser Anleitung beschreiben wir, wie ihr ein Image einer Festplatte bzw. Partition mit der kostenlosen Software CloneZilla erstellt und später auch wieder zurückspielen könnt.

Ein Image ist eine Kopie einer bestehenden Festplatte oder Partition. Es dient dazu, den aktuellen Zustand eines Computers zu sichern um bei einem Hardwaredefekt oder z.B. einem Virenbefall den Computer wieder auf den Zustand zum Zeitpunkt der Erstellung des Images zurückzusetzen. Es ist eine Möglichkeit ein vollständiges Backup eines Computers zu erstellen. Allerdings können aus diesem Backup nicht einzelne Dateien wiederhergestellt werden, sondern nur die komplette Festplatte bzw. Partition.

Der Vorteil bei einem Image ist, dass es unabhängig vom Betriebssystem erstellt wird und auch unabhängig von dem auf der Festplatte bzw. Partition befindlichen Dateisystem ist. Dadurch lässt sich jede Festplatte oder Partition sichern, egal welches Betriebssystem auf der Festplatte installiert ist.



Benötigte Software


CloneZilla (Download) ist eine freie Image-Software, die allerdings keine Online-Partitionen sichern kann. Als Online-Partitionen werden Partitionen bezeichnet, die aktiv benutzt werden, z.b. wenn ein Betriebssystem wie Windows 10 auf dieser Partition läuft. Daher bootet CloneZilla noch vor dem Betriebssystem in eine eigene Mini-Linux Umgebung, in der die Festplatte(n) des Computers nicht eingehängt werden.

CloneZilla kann entweder auf einen USB-Stick kopiert oder auf eine CD/DVD gebrannt werden. Wir beschreiben hier die Verwendung von CloneZilla auf einem USB-Stick. CloneZilla ist als Image oder ZIP-Datei als kostenloser Download verfügbar. Für die Verwendung auf einem USB-Stick benötigen wir die ZIP-Variante.

Zudem kann man zwischen einer 32 und einer 64-Bit Variante wählen. Die Variante hängt vom System ab, auf dem CloneZilla ausgeführt werden soll. Ist bei einem System die 64-Bit Unterstützung unklar, kann man einfach zur nur unwesentlich langsameren 32-Bit Variante greifen, die auf fast jedem System lauffähig ist.

Nun benötigen wir noch eine Software, die die ZIP-Datei auf den USB-Stick schreibt und diesen bootfähig macht. Wir benutzen hier das kostenlose Tool tuxboot (Download), welches von CloneZilla empfohlen wird und sehr einfach zu bedienen ist.



Boot-USB-Stick erstellen


Zunächst muss der USB-Stick selbst vorbereitet werden. Es sollte ein leerer USB-Stick mit dem FAT32 Dateisystem und einer Kapazität von mindestens 1 GB verwendet werden. Nun starten wir die Software tuxboot, die CloneZilla auf den USB-Stick kopiert und den Stick bootfähig macht. Der Stick wird nachher per Legacy als auch per UEFI bootfähig sein. Dies ist wichtig, da neue Hardware teilweise nur noch per UEFI booten kann und immer noch einige Linux-Boot-Medien kein UEFI unterstützen.





PC mit CloneZilla USB-Stick starten


Nun können wir den CloneZilla USB-Stick an den PC stecken, an dem wir ein Image einer Partition oder Festplatte erstellen möchten. Dazu wird über das Boot-Menü des Computers einmalig nicht über die Hauptfestplatte sondern über unseren USB-Stick gebootet. In das Boot-Menü gelang ihr je nach Computermodell, in dem ihr sofort nach dem Drücken des Einschalters die Taste F10, F11, F12, F2 oder ENTF drückt. Dies hängt wie gesagt vom Modell des Computers ab, notfalls müsst ihr die Tasten durchprobieren. Bootet hier auf jeden Fall im moderneren UEFI-Modus, sofern euer Computer dies unterstützt bzw. die Bootmöglichkeit UEFI anbietet.



Image von einem PC erstellen


Sofern das Booten des CloneZilla USB-Sticks funktioniert hat, seht ihr den GRUB Bootloader von CloneZilla. Hier könnt ihr nun auswählen welche Art von CloneZilla ihr starten möchtet. Wir haben hier die CloneZilla Live Default (1024x768) benutzt. Es startet nun ein kleiner und optisch nicht wirklich ansprechender Assistent, der euch bei der Einstellung von Sprache und Tastaturlayout hilft. Im dritten Schritt des Assistenten lässt sich CloneZilla starten.



CloneZilla unterstützt neben dem Erstellen von Images auch das Kopieren von Festplatte zu Festplatte sowie das Sichern über das Netzwerk. Da wir hier ein einfaches Image erstellen möchten, wählen wir die Option device-image aus.

Wir können nun wählen, wo wir das Image abspeichern möchten. Hier hat man die Auswahl aus einer Fülle an Optionen:

  • Image auf einer lokalen Festplatte oder einem lokalen USB-Medium sichern
  • Image auf einem SSH-Server sichern
  • Image auf einer SMB (Samba) Freigabe sichern
  • Image auf einer NFS Freigabe sichern
  • Image auf einem WebDAV Server sichern
  • Image auf einem Amazon AWS S3 Server sichern
  • Image auf einem OpenStack Swift Server sichern

Am einfachsten ist es sicherlich, das Image auf eine andere, lokale Festplatte oder ein USB-Medium zu speichern. Wir verwenden in unserem Beispiel allerdings die Möglichkeit auf eine SMB-Freigabe über das Netzwerk zu sichern. Hierzu benötigt der CloneZilla PC eine IP-Adresse sowie die IP-Adresse und die Zugangsdaten des Computers, welcher die SMB-Freigabe im Netzwerk zur Verfügung stellt. Unser Image möchten wir auf ein NAS sichern, wo es als Backup liegen soll, bis wir es im Ernstfall benötigen.

Dazu fragt ein weiterer Assistent euch alle benötigten Informationen ab. Es empfiehlt sich hier den Computer, auf dem CloneZilla ausgeführt wird eine IP-Adresse mittels DHCP zuzuteilen, sofern euer Netzwerk dies unterstützt. Dies sollte in den meisten privaten Netzwerken möglich sein. Wir benutzen hier die Standardoptionen zum Sichern des Images, zudem sichern wir die komplette Festplatte des lokalen Computers, damit wir bei einem Festplattenausfall das komplette System wiederherstellen können. Anschließend dürfen wir noch einen Namen vergeben, unter dem das Image bzw. die Image-Dateien (CloneZilla legt in diesem Ordner gleich mehrere Dateien ab) gespeichert werden.



Nun möchte CloneZilla natürlich gerne wissen welche Festplatte des Computers gesichert werden soll. In unserem Beispiel ist die Samsung EVO 960 sowieso die einzige Festplatte des Computers. Außerdem kann CloneZilla bei bestimmten Dateisystemen (das von Windows 10 genutze NTFS-Dateisystem gehört leider nicht dazu) zuvor noch eine Überprüfung vornehmen.

Zusätzlich hat man noch die Wahl, ob man das von CloneZilla erstellte Image auf Fehlerfreiheit überprüfen möchte. Dies ist auf jeden Fall zu empfehlen, denn ein Image welches nicht korrekt funktioniert, bringt am Ende natürlich nichts. Auch eine Verschlüsselung des Images mit eCryptfs ist möglich. In unserem Fall sichern wir das Image des Testcomputers unverschlüsselt. Bei Images von Computern mit vertraulichem Inhalt ist eine Verschlüsselung sinnvoll und kann auch aus datenschutzrechtlichen Gründen erforderlich sein.



Hat man sich durch den Assistenten gehangelt, geht es endlich los: CloneZilla erstellt ein Image unser Festplatte und legt es in unserem Beispiel auf einen entfernten Server / NAS auf einer SMB-Freigabe ab. Wer noch kein NAS besitzt, dem sei eine unserer NAS Basic bzw. NAS Advanced Anleitungen empfohlen, in denen wir zwei Selbstbau-NAS Systeme beschreiben. Diese können dann z.B. mit dem kostenlosen NAS-Betriebssystem OpenMediaVault laufen, welches auf ein aktuelles Debian Linux aufbaut und auch für Einsteiger recht einfach zu konfigurieren ist.

CloneZilla benutzt zur Erstellung des Images das Programm Partclone, d.h. für jede Partition der Festplatte (bei einem Windows 10 Computer sind z.B. mindestens 4 Partitionen vorhanden) wird ein Durchlauf von Partclone gestartet. Speichert man das Image auf einem Server, ist neben der Geschwindigkeit des lokalen Computers natürlich auch die Geschwindigkeit des Servers bzw. des Netzwerkes ausschlaggebend dafür, wie lange die Erstellung des Images dauert. Je nach Festplattengröße bzw. Belegungsgrad der Festplatte kann die Erstellung zwischen 10 Minuten und mehreren Stunden dauern.





Kontrollieren des Images im Speicherpfad


Nach Beendigung des Vorganges empfiehlt sich eine Kontrolle des Speicherpfades, in dem das Images gespeichert wurde. Wir haben uns über einen FTP-Clienten mit unserem NAS verbunden und navigieren in das zuvor angegebene Speicherverzeichnis. Natürlich könnte man in unserem Fall auch die SMB-Freigabe auf dem lokalen Computer einbinden.





Image wiederherstellen


Würde die Festplatte unseres lokalen Computers nun ausfallen oder z.B. durch einen Virus unbrauchbar, können wir mit Hilfe unseres zuvor erstellten Images den Computer auf den Stand zum Zeitpunkt der Image-Erstellung zurücksetzen. Dazu booten wir den Computer wieder mit unserem CloneZilla USB-Stick und starten CloneZilla. Wir gehen bei der Wiederherstellung zunächst den selben Weg wie auch schon bei der Erstellung des Images. In unserem Beispiel wählen wir wieder den device-image Modus von CloneZilla aus, gefolgt von der Auswahl samba_server, denn unser Image zur Wiederherstellung befindet sich ja auf einer SMB-Freigabe.

Nun wählen wir allerdings restoredisk als Option aus. Nach Eingabe der Zugangsdaten verbindet sich CloneZilla mit unserem NAS, auf dem sich die SMB-Freigabe befindet bzw. auf dem unser Image liegt. Sind mehrere Images (z.B. unterschiedliche Sicherungszeitpunkte) vorhanden, haben wir nun die Auswahl welches Image wir zurückspielen möchten. Außerdem muss CloneZilla wissen auf welche Festplatte wir das Image zurückspielen möchten.

Die Festplatte muss dabei über mindestens die gleiche Kapazität verfügen. Ist die Festplatte größer als die im Image gesicherte Festplatte ist auch dies möglich. Das Image kann vor der Wiederherstellung hier auch nochmal auf Fehlerfreiheit überprüft werden.



Nach dem Assistenten werden die 4 Partitionen unserer Festplatte wiederhergestellt und der Computer befindet sich anschließend wieder im Ursprungszustand.





Fazit


Die Erstellung eines Images mit CloneZilla ist relativ einfach und erfordert nur geringe Computerkenntnisse. Fortgeschrittene Benutzer können Images mit CloneZilla auch per Befehlszeile ohne den Assistenten erstellen bzw. wiederherstellen.

Dabei bietet CloneZilla eine Vielzahl an Sicherungsoptionen und ist eine gute Alternative für kostenpflichtige Sicherungssoftware. Zu erwähnen ist allerdings der Umstand, dass bei einer Image-Sicherung immer nur die gesamte Partition / Festplatte zurückgespielt werden kann, einzelne Dateien lassen sich aus einem Image nicht wiederherstellen.



Kommentare (2)


Stefan (Team)
19.05.2018
Ja nvme SSDs werden unterstützt.

Dffvb
18.05.2018
Schön, das heißt das endlich auch nvme-ssds gehen

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